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Ein Mann von Weltschmerz
Wenn 'Summer Days In Bloom', Song drei der neuen CD, beginnt, entrollen
sich Erinnerungen. Und die sind alles andere, nur nicht deutsch. Sie
heißen Mersey Beat und Brit-Neu-Pop, Sophia und Mark Hollies. Alle
Männer von Weltschmerz versammeln sich vor geistigen Augen und
imaginären Ohren. Doch es ist Maximilian Hecker. Aus Berlin.
Perfekt getarnt als er selbst. Das Goethe Institut bewies im Vorjahr
Geschmack, als es zwei begnadete Individualisten des heimischen Club-Pop
auf Welttour schickte: Barbara Morgenstern, die
Elektronikerin/Sängerin, und Maximilian Hecker (27),
Natursänger und Multiinstrumentalist. Internationales aus
Deutschland erklang von Shangai bis St.Petersburg, von Tel Aviv bis
Tokio und bewies Exportstärke. Manch einer mag gestaunt haben. Kein
Auto. Keine Schwermaschine.
Heckers Thema ist (Zitat): "die Sehnsucht nach Körperlosigkeit,
dargestellt in der Sehnsucht nach Symbiose, Liebe, Tod, Narkose,
Glückseligkeit und Wahnsinn". Nun, was gehörig nach
gläubigem Sohn Mannheims klingt, ist nur der Versuch, den gewissen
Grad Schwerelosigkeit zu beschreiben, den Maximilian Hecker mit seinen
traumwandlerisch sicheren Falsett-Balladen beim Zuhörer erreicht.
Alles ist hier leicht. Pianolinien zeichnen sich über akustischen
Gitarren, klein- und großbesetzten Streichern, Grandezza galore,
nie überpackt, sondern aufrichtig, was nicht heißt, dass er
sich epischem Reichtum verweigern würde. Auf den ersten beiden CDs
war es manchmal ein Tick zuviel des ganz Großen - 'Infinite Love
Songs' erschien 2001, 'Rose' dann 2003. Die brandneue Platte aber, 'Lady
Sleep' (alle Kitty-Yo), ist absolut rund, nahezu ideal arrangiert,
badend in kleinen Verweisen auf gelebte Pop-Geschichte und dennoch
heutig wie man heutig nur sein kann.
Hecker ist mutig wie selten einer in diesem Land. Lehnt sich aus dem
Fenster und dreht den Kopf in Fahrtrichtung. 'Lady Sleep' atmet Luft,
die für Jahre reicht. Nach den elf Stücken braucht man lange
Zeit nicht viel mehr zum Träumen und Genießen.
"Quiet is the new loud", ruft der aufgewachsene Ostwestfale, Fan von
Melanie und den Beatles, Flötist der ersten Stunden,
Sinfonieorchesterschüler, Straßen-Gallagher, Berliner im
verflixten siebten Jahr, passionierter Einzelgänger. Wem es nicht
spätestens bei 'Dying' weich um die Brust wird, ist ein verdammt
harter Klotz.
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