![]() |
|
LIVE |
|
RELEASES > LADY SLEEP > REVIEWS > GERMAN > FTD |
|
PHOTOS |
|
TEXT ARCHIVE |
|
CONTACT |
|
|
|
|
|
Financial Times Deutschland | Lady Sleep
Das traurige Falsett von Berlin ist zurück. Maximilian Hecker,
letztes Jahr mit dem Goethe-Institut auf Welt-Tournee, hat sein neues
Album 'Lady Sleep' fertig und wirft erneut die Frage auf: Wieviel
Seelenschmerz passt in 60 Minuten Musik?
Der zarte Beau aus Berlin-Mitte hat noch zur Jahrtausendwende als
Straßenmusiker am Hackeschen Markt tieftraurige Coverversionen von
Oasis gegen markerschütternd geringe Tagesgagen zum besten gegeben.
Bis er dann im Herbst 2001 mit seinem Debüt 'Infinite Love Songs'
den Begriffen Zerbrechlichkeit und Sentimentalität in der
zeitgenössischen Popmusik eine neue Bedeutung verlieh. Menschen und
Medien überschlugen sich und feierten den schüchternen Jungen
als "die Zukunft des Pop" (taz) und sahen in ihm "eine Mischung aus
Travis und Beatles" (Süddeutsche Zeitung).
Der junge Songwriter ließ sich von dem öffentlichen Gejaule
nicht beirren und setzte seinen Weg ziemlich unbekümmert mit dem
Liebeskummer-Epos 'Rose' fort. Hecker selber über diese Platte:
"Der letzte verzweifelte Schrei, bevor alles für immer zu Ende
ist." Selten hat jemand soviel Weltschmerz vertont. Scott Walker ginge
dagegen als fröhlicher Zeitgenosse durch. Auch auf 'Lady Sleep'
bewegt sich Hecker zwischen Liebesleid, Langsamkeit und bedrohlicher
Traurigkeit. Die neuen Stücke sind wieder ergreifend, unendlich
melancholisch und doch immer mit einer Spur verspielter Hoffnung
versehen - sehr morbide eben.
Zuweilen ist das süßer als die Carpenters, dann wieder
sphärisch wie Sigur Ròs und entrückt wie Radiohead. Bei
aller Tränenseligkeit strahlt diese Musik auch immer eine
angenehme Form von Harmonie aus "und, vor allem anderen, süße
Sehnsucht" (Die Zeit).
Hecker hat erneut den Produzenten gewechselt. Nach Tommi Eckart von
2-Raumwohnung und Gareth Jones (Depeche Mode, Einstürzende
Neubauten) hat das neue Album nun Guy Sternberg (LowSwing Studios)
produziert, der bereits als Ton-Ingenieur an 'Rose' beteiligt war.
Sternberg hat aus akkustischen Gitarren, Klaviersätzen und
Streichquartetten den typischen Hecker-Sound gebastelt, aber noch ein
Stück pointierter ('Birch') und klarer ('Lady Sleep').
Heraus ragt das elegische 'Help Me', die erste Single. Hecker steigert
sich in diesem Stück in eine Form von Ausweglosigkeit und
Verlangsamung, dass einem angst und bange werden kann. Auch 'Snow'
läßt schon fast eine Art Todessehnsucht befürchten:
"Doubts have vanished. All is clear. White, smooth, endless, outright,
sheer. And I smile as I rise into heaven." Aber: Ist ja nur Pop-Musik.
Lediglich mit dem Song 'Yeah, She Eventually She Goes' bricht er mit
seiner üblichen Gangart - plötzlich zerschneiden scharfe
Nirvana-Gitarren die finstere Getragenheit und es wird zur Abwechslung
mal richtig laut. Hecker selber meint: "Das zentrale Thema dieser Platte
ist die Sehnsucht nach Symbiose, Liebe, Tod, Narkose,
Glückseligkeit und Wahnsinn." Das war indes auf den vorherigen
Platten nicht anders und wird sich mutmaßlich bei diesem
Künstler auch nie ändern. Wieso auch? Kaum jemand kann so
wunderbar traurige Musik machen wie Maximilian Hecker. Für
Leichtverdauliches und Fröhliches sind dann andere zuständig.
|
|
| |