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German Rock News | Lady Sleep
Als ob er geahnt hätte, dass der erste Schnee in diesem Winter erst
Ende Januar fällt, hat Maximilian Hecker sein neues Album, das am
24.1. erscheint, "Snow White" gewidmet und 'Lady Sleep' genannt.
11 Tracks zwischen 2:26 und 6:25 hat der junge Berliner geschrieben und
fast alleine eingespielt. Nach 'Infinite Love Songs' (2001) und 'Rose'
(2003) nun also sein drittes mondänes Werk, gewohnt ergreifend,
emotional und elegisch. Die "Sehnsucht nach Körperlosigkeit" wolle
er damit ausdrücken und diese intime Atmosphäre fließt
durch alle Songs, voller Zartheit, Schönheit und Weltschmerz.
Eine angenehm entspannte und bewusste Klarheit zelebriert sich in
fragilen Melodiebögen zwischen akustischer Gitarre, Klavier,
Streichern und Heckers hoher, graziöser Stimme. Das ist Musik,
für die man sich Zeit nehmen muss. Sie zu hören ist einzig
Dürfen.
Der Eröffnungssong 'Birch' beginnt mit einem extrem langen und
leisen Klavierintro, das nach zwei Minuten Besuch von Streichern bekommt
und nach weiteren zwei Minuten zu einem voll ausarrangierten Song
erblüht. Maximilians Stärke ist seine authentische,
spürbare, ja fast greifbare Traurigkeit, die nie aufgesetzt wirkt.
Im großartigen 'Daze Of Nothing' zum Beispiel, mit akustischer
Gitarre und leichtem Groove. Das mit- und nachfühlende Herz bekommt
tränenerstickte Gänsehaut bei einer Zeile wie "The first time
in my life I'm dead, the first time in my life I'm not sad". Oder wenn
im Song 'Snow' weicher Schnee auf Klaviertasten zu fallen scheint, um
leiseste, zarteste Klänge zu erzeugen. Das hat schon etwas
Göttliches. Ein wenig sakral und mystisch affiziert auch die
Single-Auskopplung 'Help Me'.
Doch das Repertoire des sympathischen Multitalents hat auch reziproke
Züge, wenn in den Ausreißer-Stücken 'Full Of Voices' und
'Yeah, Eventually She Goes' ist feinstem Uptempo-Beat härtere
Saiten aufgezogen werden. Hecker zeigt, was er kann und wird am Ende
wieder im wahrsten Sinne des Wortes besinnlich, denn ähnlich wie
'Anaesthesia' ist auch der Titeltrack 'Lady Sleep' eine herrliche
sublime Pop-Ballade. Die CD blendet sich aus, wie sie vor 50 Minuten
begann und nach vier Minuten Stille schleicht sich noch eine kleine
Klaviermelodie herein, dazu Töne, die wie rückwärts
gespielt klingen. Ein durchdachtes, niveauvolles Stück Musik.
Wie einzigartig und wertvoll Maximilian Hecker auf dem deutschen
Musikmarkt ist, zeigt sich in den nur international zu findenden
Referenzen wie Bright Eyes, Sigor Ros, Mercury Rev, Aqualung, Ben
Christophers, Savoy Grand. Diese Verbindung von klassischer Musik,
Falsett-Gesang und Pop-Momenten ist allerdings in der
MH-Komplexität der höchste Genuss!
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