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Spex | Lady Sleep
Eine zarte Klaviatur bohrt sich langsam, aber zielstrebig durch die Lautsprecher.
Eindringlich, neugierig machend. Es ist fast so, also müßte man selbst noch einige
Türen öffnen, um sie vollends genießen zu dürfen, um sich einem geheimnisvollen
Raum mit weißem Flügel zu nähern. Vielleicht hat Maximilian Hecker einfach großen
Gefallen an dem Einstieg seines letzten Albums "Rose" gefunden, dessen Intro ein
Piano bildete, wenngleich nicht ein solch zerbrechliches. Vielleicht ist er nach
dem "Solo Piano" von Gonzales aber auch der zweite Kitty-Yo-Künstler, den es mehr
und mehr in Richtung E-Musik drängt. Und der nach hause gekommen ist: nach einer
langen, Weltkugel umspannenden Reise im Namen des Goethe-Instituts.
Auf seinem
dritten Album "Lady Sleep" wimmelt es jedenfalls nur so von schönen Piano-Passagen
und wonnigen Streicherarrangements, am liebsten beides gleichzeitig, wie im Song
"Dying". Über dem auf Watte gebetteten Klang thront das Heckersche Falsett, das
auch diesmal verspricht, keine Oktave vom Himmel herabzusteigen und einen stets
daran erinnert, wem man hier zuhört. Man kann Hecker nach diesem Album für die
Bedingungslosigkeit lieben, mit dem er sich seinem sehnsuchtsvollen Größenwahn
hingibt. Oder schlicht dafür hassen, mit welch berechnender Genauigkeit er jeden
Ton setzt und einen gefangen nimmt in seinem Reich der hoffnungsspendenden
Traurigkeit. Auch wenn die sanfte Verführung beim dritten Mal nicht mehr mit
jedem Zuhörer gelingen mag.
Im morbiden "Daze Of Nothing" beginnt Hecker so,
wie es (vor seinem Debut "Infinite Love Songs") angefangen hat: mit einem Stück
auf der Akustikgitarre, vermutlich in irgendeinem Wohnzimmer aufgenommen, das
sein Antlitz plötzlich in Richtung wohl produzierter Pop ändert. So als würde
ein Toter das Licht am Ende des Tunnels sehen. Geradezu verstörend wird man später
dem Traum entrissen, wenn bei "Yeah, Eventually She Goes" Sigur Ros-Atmosphäre
auf Nirvana-Gitarren trifft. Ausnahmsweise mal nichts zum Schlafen für die Lady.
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