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PRESS ARCHIVE > GERMAN > FEATURES > PIRANHA 10/2006 |
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Irdischer Tagträumer
Mit seinem vierten Album "I’ll Be A Virgin, I'll Be A Mountain" ist der
himmlische Maximilian Hecker ein Stück weit zu uns herabgestiegen. Sein
engelsgleicher Falsettgesang schmückt längst nicht mehr jeden Song. Macht
nichts, denn Irdisches steht ihm ebenso gut. "Mein lyrisches Ich hat
kapituliert, weil ich erkannt habe, dass es in der Realität nicht zu
erreichen ist, seinen Körper hinter sich zu lassen und Geist oder Gott zu
werden", philosophiert Hecker. "Das Gute daran: Ich habe meinen isolierenden
Elfenbeinturm verlassen. Anstatt mit der Ewigkeit vereinige ich mich nun mit
den Menschen. Was nicht heißt, dass ich in kreativer Hinsicht nicht doch dem
Höheren hinterherschreibe." Sein schwelgerischer Anti-Tagträumer-Song "Grey"
handelt davon, das kleine Glück schätzen zu lernen und dafür die große
Sehnsucht aufzugeben. Doch erdlich gesehen hat der Berliner Songwriter das
gar nicht nötig: Hecker dürfte einer der wenigen deutschen Künstler sein,
die sich in Asien mehrere Fanclubs erspielt haben. "Mir kommt das durchaus
angemessen vor", meint Hecker, "als Künstler hält man doch was von seiner
Musik. Man sollte auch in anderen Ländern bekannt sein, nicht? Es löst in
mir aber kein Gefühl von "Yeah!" aus." Aber immerhin eine innere Balance.
"Das Kunstprodukt, also die Platte, ist das Gegenteil von meinem Charakter,
um den Ausgleich herzustellen. Ich fühle mich getrieben und bin sehr
kontrolliert, also sehne ich mich nach dem Loslassen. Deshalb klingen meine
Lieder wie ein Ausatmen oder nach einem Säugling, der zärtlich im Arm
gewiegt wird", meint Hecker. "Bei Künstlern ist das häufig so. Dj Ötzi ist
wahrscheinlich depressiv."
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