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PRESS ARCHIVE > GERMAN > FEATURES > ROLLING STONE 12/2001 |
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Herz aus Keks
Sehnsuchts-Poet Maximilian Hecker hat trotz seines
phantastischen Aufstiegs keine Illusionen
Der Grunge-Boy hat sich bestens entwickelt. Er kämmt
sich die Haare wieder hübsch, er trägt eng
anliegende Hemden. Und anstatt in einer hoffnungsarmen
Alternative-Band wie Sau zu rocken, singt Maximilian Hecke
luftige, herbstliche Pop-Musik. Damals, als er mit den
Klassenkameraden die ersten Nächte durchmachte und man
mit Alkohol experimentierte, waren jedenfalls immer
Nirvana-Kassetten gelaufen. "Und wir dachten, was
für ein tolles Leben die haben müssen, haben uns
die Haare gefärbt und uns Second-Hand-Klamotten
gekauft", sagt Hecker, der mit 24 über seine
Teenager-Jahre wie über verdammt alte Zeiten redet.
"Meine Eltern fanden das nicht so toll",
ergänzt er. Nicht abfällig. Im Nachhinein
scheint er sie zu verstehen.
Derzeit ist Maximilian Hecker selbst sein penibelster
Kritiker. Der junge Mann aus Berlin gilt in der deutschen
Indie-Community seit der Veröffentlichung der ersten
Platte "Infinite Love Songs" als nächster
Superstar, weil seine Lieder die alten Smiths-Fans und die
heranwachsenden Sportjacken-Träger gleichermaßen
ansprechen. So ist es an ihm, alles vorwegzunehmen, was man
einwenden könnte. "Immer denke ich, dass ich ein
Möchtegern bin. Die Engländer können gut
sagen: 'Was will der überhaupt?' Ich bin eben
nicht aus Manchester, ich bin nicht Liam Gallagher,
höchstens einer, der seine Frisur übernommen
hat." Nach der Nirvana-Phase, Sie haben es gemerkt, kam
der Oasis-Wahn.
Viele Menschen in Berlin erinnern sich an den Jungen, der
mitten im Winter am Hackeschen Markt stand und zur Gitarre
"Live Forever" sang. Maximilian Hecker war aus dem
Heimatnest bei Osnabrück eigentlich nur in die
Hauptstadt gezogen, weil er eine Krankenpflegerlehre machen
wollte. Das mit der Musik bekam eine Eigendynamik, als ein
Straßenmusiker-Kollege ihn zu einer Party mitnahm. Inga
Humpe war dort, ausgerechnet mit ihr kam der scheue
Maximilian ins Gespräch. Später mit
Ex-Lassie-Singer Almut Klotz, die ihn zur Bandprobe einlud,
wo gleich noch Jim Avignon auftauchte, Comic-Zeichner und
In-Musiker.
Daß er in so kurzer Zeit so viele wichtige Leute
kennenlernte, dass er nur dadurch so schnell zur eigenen
Platte beim Kitty-Yo-Label kam, wundert Hecker anscheinend
gar nicht. Es wirkt, als ob er mit den
Detail-Überlegungen, mit dem Für und Wider des
Popstar-Daseins so sehr beschäftigt war, dass er gar
nicht merkte, wie ihm die credibility einfach zuflog.
Wer gerne von fallenden Blättern und von Herzen
träumt, die wie englische Kekse zerbrechen, wenn
Hecker im Falsett über die Sehnsucht singt, sollte ihn
nie zur Entstehung seiner Songs befragen. Dann erzählt
Hecker nämlich von Akkordfolgen, die er gezielt
einsetzt, von Streichereinsätzen, die Eindruck
schinden: "Wenn man das in seiner Gesamtheit hört
und glaubt, dass ich das als Geniestreich im Fieberwahn
geschrieben habe, akzeptiert man das auch." Romantik,
maximal aufgeklärt.
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